Die slowakische Präsidentin Zuzana Caputova hat angekündigt, dass sie sich 2024 nicht zur Wiederwahl stellen wird. Als Grund für ihre Entscheidung nannte Caputova, eine von vier weiblichen Staatsoberhäuptern in der Europäischen Union, mangelnde Energie.
Während ihrer Amtszeit sah sich Caputova heftiger Kritik von Oppositionsführern ausgesetzt, darunter dem ehemaligen Premierminister Robert Fico, der ihr vorwarf, ausländischen Interessen zu dienen. Fico ist vor den Parlamentswahlen im September an die Spitze der Umfragen geklettert und hat versprochen, die Militärhilfe für die Ukraine einzustellen, wenn er an die Macht zurückkehrt.
Trotz der Angriffe der Opposition blieb Caputova eine starke Verfechterin von Minderheiten und LGBT-Rechten und war eine Schlüsselfigur bei den Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung in der Slowakei. Sie war auch eine entschiedene Befürworterin der Ukraine, was ihr Kritik von Gegnern wie Fico einbrachte.
Bei einer Kundgebung im letzten Jahr schien Fico Gefallen daran zu finden, dass die Menge Obszönitäten gegen Caputova skandierte. Er hat sie wiederholt als „amerikanische Agentin“ bezeichnet, obwohl die Anschuldigungen von einem slowakischen Gericht als falsch und illegal zurückgewiesen wurden.
Caputova bleibt laut Umfragen die glaubwürdigste Politikerin des Landes und wäre die klare Favoritin, wenn sie erneut kandidieren würde. Allerdings wurde sie im Vorfeld der Wahlen zum Ziel verbaler Angriffe und Gewaltandrohungen.
In einem Fernsehinterview letztes Jahr sprach Caputova davon, dass sie das Ziel „grausamer, brutaler persönlicher Angriffe“ sei, weil sie angeblich anderen Mächten gedient habe, und äußerte sich besorgt über die Sprache, die von Politikern und denjenigen verwendet wird, die ihr Leben bedroht haben
Insgesamt wird Caputovas Entscheidung, nicht für eine Wiederwahl zu kandidieren, als ein Schlag für die Demokratie des Landes angesehen, und viele äußern ihre Besorgnis darüber, dass ihr Abgang das ohnehin fragile politische Umfeld des Landes noch weiter schwächen wird.


