Die Ratifizierung der NATO-Mitgliedschaft Schwedens durch die Türkei könnte sich weiter verzögern, was die Hoffnungen auf eine rasche Genehmigung rechtzeitig vor dem bevorstehenden NATO-Außenministertreffen zunichte machen würde. Obwohl das türkische Parlament Gespräche über Schwedens Angebot aufgenommen hat, ist es laut anonymen, mit der Angelegenheit vertrauten Quellen unwahrscheinlich, dass der Ratifizierungsprozess bis zum Beginn des Ministertreffens, das nächste Woche in Brüssel stattfinden soll, abgeschlossen sein wird.
Die erste Debatte über den Antrag Schwedens fand letzte Woche in einem türkischen Parlamentsausschuss statt. Das Komitee äußerte jedoch die Notwendigkeit eines schriftlichen Anti-Terror-Fahrplans aus Stockholm, bevor Schwedens Beitritt zur NATO genehmigt werden könne. Diese Anforderung hat Bedenken hinsichtlich möglicher Verzögerungen bei den bereits langwierigen Expansionsplänen des Militärbündnisses geweckt.
Derzeit hat der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des türkischen Parlaments für die folgende Woche keine Sitzungen angesetzt. Sowohl der Ausschuss als auch die Gesamtversammlung müssen für Schweden stimmen, um den Weg für seine Mitgliedschaft zu ebnen. Daher bleibt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ratifizierung vor dem Ministertreffen erfolgt, ungewiss.
Schweden hatte vor anderthalb Jahren zusammen mit seinem Nachbarn Finnland den Beitritt zur NATO beantragt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat kürzlich seine Unterstützung für den Beitritt Schwedens zum Ausdruck gebracht, mit dem Ziel, die Verteidigungsbeziehungen mit den von den Vereinigten Staaten geführten Verbündeten zu stärken. Finnland hingegen wurde im April NATO-Mitglied.
Die Entscheidung des türkischen Parlamentsausschusses deutet jedoch darauf hin, dass der Genehmigungsprozess auf weitere Hürden stoßen könnte. Die Türkei und Schweden haben unterschiedliche Interpretationen eines im Juli getroffenen Abkommens. Gemäß der auf dem NATO-Gipfel in Vilnius getroffenen Vereinbarung sollte Schweden während der Eröffnungssitzung eines bilateralen Sicherheitsmechanismus einen Fahrplan für seine laufenden Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung vorlegen. Schweden behauptet, dies bedeute, dass es zuerst der NATO beitreten sollte, während die Türkei in dieser Angelegenheit möglicherweise eine andere Sichtweise vertritt.
Neben der Zustimmung der Türkei steht auch die Zustimmung Ungarns zur Mitgliedschaft Schwedens aus. Obwohl Ungarn erklärt hat, dass es nicht das letzte Land sein wird, das ratifiziert, bleibt abzuwarten, wann der Genehmigungsprozess abgeschlossen sein wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bei Schwedens Zustimmung zur NATO-Mitgliedschaft zu weiteren Verzögerungen kommen könnte, da das türkische Parlament die Debatten noch nicht abgeschlossen und über die Angelegenheit abgestimmt hat. Die widersprüchlichen Interpretationen des vereinbarten Fahrplans zur Terrorismusbekämpfung zwischen der Türkei und Schweden könnten den Genehmigungsprozess weiter erschweren. Infolgedessen bleibt der Zeitplan für den Beitritt Schwedens zur NATO ungewiss, und das bevorstehende Ministertreffen könnte ohne formelle Zustimmung zur Mitgliedschaft Schwedens stattfinden.


