Der taiwanesische Milliardär Terry Gou, der Gründer des führenden Apple-Zulieferers Foxconn, zog sich nur wenige Stunden vor Ablauf der Registrierungsfrist unerwartet aus dem Rennen um Taiwans nächsten Präsidenten zurück. In einer Erklärung brachte Gou seine Liebe zu seinem Heimatland, der Republik China, zum Ausdruck, nannte jedoch keine konkreten Gründe für seinen Rückzug. Seine Vizepräsidentin Tammy Lai bestätigte ebenfalls über Facebook, dass sie nicht auf dem Wahlzettel 2024 erscheinen würden.
Gou, ein Selfmade-Milliardär mit begrenzter politischer Erfahrung, ging im August als unabhängiger Kandidat ins Rennen und trat aus dem Vorstand von Foxconn zurück. Allerdings blieb er in den Umfragen durchweg zurück und sah sich starker Konkurrenz durch andere Kandidaten ausgesetzt. Sein Rückzug erfolgte nach erfolglosen Versuchen, eine gemeinsame Partei mit den Oppositionskandidaten Hou Yu-ih und Ko Wen-je zu bilden.
Die gemeinsamen Ticketverhandlungen zwischen Gou, Hou und Ko scheiterten im Live-Fernsehen, was dazu führte, dass sich beide Oppositionskandidaten getrennt für die Kandidatur registrierten. Obwohl alle drei das Ziel hatten, die regierende Demokratische Fortschrittspartei zu besiegen, blieb Gous Popularität bei den Wählern gering.
Gou gründete Foxconn, ursprünglich bekannt als Hon Hai Precision Industry, 1974 in Taiwan. Kurz nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Präsidentschaft berichteten chinesische Staatsmedien, dass Foxconn von chinesischen Behörden wegen Bedenken im Zusammenhang mit Landnutzung und Steuern untersucht werde. Gou hatte zuvor betont, dass er trotz der umfangreichen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens in China dem Druck aus Peking nicht nachgeben werde.
Obwohl Foxconn erklärte, dass die Einhaltung des Gesetzes eines seiner Grundprinzipien sei und dass sie bei Ermittlungen kooperieren würden, bleibt das Ergebnis der Untersuchung unklar.
Im November wurde eine Foxconn-Tochtergesellschaft mit Sitz in Wuhan, China, von einer örtlichen Steuerbehörde mit einer Geldstrafe belegt, weil sie ihre Forschungs- und Entwicklungskosten in den Jahren 2021 und 2022 zu hoch angesetzt hatte. Die genauen Auswirkungen dieses Vorfalls auf die Geschäftstätigkeit von Foxconn und Gous Präsidentschaftskandidatur müssen noch ermittelt werden.
Mit Gous Rückzug werden die für den 13. Januar 2024 geplanten Präsidentschaftswahlen in Taiwan nun ohne ihn stattfinden. Das Land wird Zeuge eines hart umkämpften Rennens unter den verbleibenden Kandidaten sein, die um die Chance kämpfen, Taiwan in die Zukunft zu führen.


